Sternwartenbau – Zusammenfassung

Montag, 13. August 2012 – 07:30 Uhr

Heute ist es also soweit, die Sternwarte kommt! Mein Zimmerer Thomas erschien pünktlich auf der Baustelle und hatte die Sternwarte auf seinem Anhänger geladen.

Alles wurde erstmal im Garten verteilt. Die Sternwarte ruht logischerweise auf dem Boden, somit braucht dieser eine hervorragende Stabilität. Thomas‘ Grundkonstruktion wurde per Anker auf die Punktfundamente geschraubt und mit Kies, der vieeel zu spät geliefert wurde, aufgefüllt, um anschliessend mit Dachpappe und OSB Platten vollendet zu werden. Mein Kumpel Lars hatte eine geniale Idee. Normalerweise schüttet man den Kies in einem Streifen von etwa 30cm um die Hütte. Dies hätte aber einen erheblichen Aufwand bedeutet: das setzen von Randsteinen. Lars meinte, man könnte einfach am Sockel Bankirai Holzverwenden, welches somit als Schürze dient und diesen Aufwand erspart. Gesagt, getan.

Dann gabs erstmal Brotzeit. Es war immerhin schon 11 Uhr und die Ladies hatten sich das verdient. Zur Belustigung trug ich mit meiner Campingstuhl-Akrobatiknummer bei… Haha…

g) Wände

Nun ging es sehr schnell. Die einzelnen Wandsegmente waren von Thomas bereits vorbereitet und konnten so zügig aufgestellt werden. Das Aufstellen der Wände dauerte in etwa nur 90 Minuten.

Die Wände bestehen innen aus OSB-Ülatten, um die 5cm starke Balken die Rahmenkonstruktion bilden. Luft ist bekanntermassen ein guter Isolator. Deswegen verzichtete ich auf irgednwelche Styropor oder sonstigen Füllmaterialien. Wenn man auf einer derart gut funktionierenden Baustelle ist, sprechen sich die einzelnen Fachbereiche (Kontruktion und Elektrik) direkt untereinander ab und bohren schon mal Löcher in die Balken für die Leerrohre der Elektrik sowie die Unterputzdosen. Ist dies alles geschehen, werden auf die Rahmen Nut- und Federbretter geschraubt.

 

h) Dach

Ich wollte ein Flachdach. Es sollte einfach kein Gartenhaus Look entstehen. Davon gibt es schon eines im Garten. Thomas wählte also eine Flachdach Variante mit 5° Neigung, welche mit natürlichen Isoliermaterial (Platten mit etwa 7cm Stärke) gegen starke Sonnenneinstrahlung wirken sollte. Auf diese kam eine Konterlattung und das Dach aus einer Art Wellblech, das auf der abfallenden Seite etwa 15cm übersteht, um das Regenwasser etwas von der Sternwarte entfernt herablaufen zu lassen. Der Rahmen alleine war schon sehr schwer, sodaß alle fünf Anwesenden beim hochheben helfen mussten.

Nach dem Hochwuchten des Daches wurde es mit den eben erwähnten Isolierungs- und Blecharbeiten weiterbearbeitet. Da es nun heftig an Gewicht zugelegt hatte, liess es sich schon nicht mehr ganz so einfach mit einem Finger bewegen. Man muß schon ganz schön schieben bzw. ziehen um es zu bewegen.

Am Ende des ersten Tages sah die werdende Sternwarte wie folgt aus:

i) Elektrik

Lars und ich waren noch bis 0:30 Uhr morgens im inneren der Sternwarte damit beschäftigt, Leitungen zu verlegen, Dosen zu setzen und die Leerrohre mit Kabelbindern und Schrauben an den Aussenseiten der OSB Platten zu fixieren, damit Thomas, der Zimmerer, am nächsten Tag mit der Beplankung mit Nut- und Federbrettern beginnen konnte.

Erinnerungsfoto, falls man an die Kabel ran muss.

Wie konnte es anders sein, als daß Larsi wieder einen genialenGedanken hatte. Normalerweise verwendet man ja 230 Volt. Manche Geräte wie die Montiierung, Kameras, Fokusierer und anderes Gedöhns benötigen aber 12V. EIn extra 12V Netzteil hatte ich ja schon. Lars dachte also, man könne mit der Hauptstromleitung in die Sternwarte (230V) und vom Netzteil zusätzlich 12V einspeisen und sich somit lästiger zusätzlicher Kabel entledigen. Dafür verwendete er ein 5adriges Stromkabel und baute das Netzteil entsprechend um. Perfekt!

Bei der Beleuchtung dachte ich zuerst an LED Beleuchtung. Mein Bekannter Armin arbeitet bei einem Elektro-Großhandelsunternehmen und versorgte mich nicht nur mit Material sondern auch mit entsprechenden Katalogen zum Thema LED. Such Dir was aus, meinte er. Lars und ich schmökerten. Schon feines Sachen gibts da! Suma sumarum aber 300 Euro nur für rotes und weisses Licht auszugeben war dann doch zuviel des Guten, und so endeten wir mit vier Baumarkt Lampen für den Keller zu vier Euro das Stück. Tuts genauso wie LED. Ha!

j) EDV

Einen PC wollte ich natürlich zur Steuerung der Montierung und zum Aufnehmen von Bildern. Also kaufte ich meinem Arbeitgeber für wenig Geld einen alten Rechner ab, spielte Windows 7 drauf sowie alles anderen benötigten Programme. ASCOM, Backyard EOS, Stellarium und PHD Guiding. Das Ganze sollte auf zwei 24″ TFT’s laufen, die ich mir im Angebot von Aldi im Juni kaufte. Diese TFT’s sind per Wandhalterungen übereinander im IT-Eck der Warte angebracht, sind schwenkbar und sehr platzsparend angebracht. Das beste: alles läuft..

Scotch me up, Beamie!

Da ich um jeden Preis Kabelsalat und Stolperfallen vermeiden wollte, dachten Matthias und ich bereits beim betonieren der Säule an ein Leerrohr für das USB Kabel, durch das ein aktives Kabel vom HUB an der Säule ins IT Eck laufen sollte. So. Jetzt kam dieses Kabel und war natürlich – zu dick am Stecker. Lars kam mit einer Zange und… er tat es!!! Schnapp, war es ab das Kabel. Hermann und Lars zogen das kastrierte Kabel durch das Leerrohr. Als es durch war, lötete Lars mit viel Fingerspitzengefühl alles wieder an. Passt. Die Enttäuschung kam später, denn Win 7 meldete, daß es doch von Vorteil wäre, wenn die Geräte an einem USB 2.0 Verteiler angeschlossen wären. Hääää? Wie 2.0? Ich hab doch 2.0! Schau! Da! Auffer Packung steht doch 1.1… schei….eeee!!!! Irgendwas ist ja immer, aber in der Zwischenzeit behelfe ich mir mit einem USB 2.0 Verlängerungskabel, welches eben auf dem Boden von der Säule zum PC läuft. Lars hat schon ein passendes Kabel mit Mini Stecker ausfindig gemacht, das kommt noch.

k) Optik

Meine Optiken standen nun fest. Der Vixen VMC200L und er Orion ED80 (Einstein und Dante) sollten es sein. Also liess ich ihnen noch vor dem Einzug in die Sternwarte etwas gutes zukommen und fuhr mit ihnen letzten Donnerstag nach Haßfurt zum Optik-Guru Herrn Rohr. Der Trip von 700km sollte sich auszahlen, denn wenn dann richtig. Die Optiken sind beide in Ordung, und Dank vieler Ideen meineer Astrofreunde Michael, Christian und einiger anderer meines Wirkungskreises im Forum Stellarumwar schnell eine Lösung fgefunden, wie man die beiden „verheiraten“ konnte – per Huckepack. Ralf Mündlein gab mir auch noch wertvolle Tips im Rahmen eines denkwürdigen Abends in Franken, bei dem ich meine Astrofreunde erstmalig treffen durfte und in Ralfs Supersternwarte vom Glauben abfiel, was möglich ist und was ein paar Weißbier bewirken können, gelle Uwe? 😉

Ein weiteres Problem tauchte auf, das nicht ganz ohne ist. Bei der Planung der Sternwarte ging ich von der Nutzung meines 8″ Newtons aus und dimensionierte die Betonsäule der zu erwartenden Nutzhöhe entsprechend. Beim Newton blickt man ja relativ nah an der Tubusöffnung in das Fernrohr. Also ist das ok, er hat ja auch einen Meter Länge. Nun verwende ich aber andere Gerätschaften, bei denen man am Ende in die Optik blickt, und die auch wesentlich kürzer sind. Also ist die Säule zu kurz um ausreichend nach Süden zu blicken, wo im Sommer spannende Objekte zu beobachten sind (Trifid- und Adlernebel) und im Winter der Orion mit deinem gleichnamigen Nebel sowie Pferdekopf und co. warten. Mist. Aber auch dafür wird es eine Lösung geben.

Jetzt muss ich sie nur noch perfekt ausbalancieren, einscheinern und deckungsgleich bringen, dann ist auch dies erledigt. Aber man braucht ja auch noch etwas zu tun für die Zeit zwischen den Spechtelabenden…

l) restliche Arbeiten

Mittwoch und Donnerstag wurde viel gestrichen. Dank einer genialen Idee meiner Albireo entschied ich mich für die Farben weiss als Hauptfarbe und blau für die Akzente. Meine liebe Tochter half mir bei sengender Hilfe mit dem strecihen, ohne zu murren oder zu knurren. Zum Glück sind grosse Ferien. Mit viel Disziplin und Einsatz verhalf sie der Sternwarte zu ihrem optischen Endstadium und verwendete dabei 5l weiße und 1,5l blaue Farbe. Danke Maus!

Erde um eine Sternwarte herum ist natürlich suboptimal. Deswegen säte ich Rasen an. Hab ich ja schon 1000 mal gemacht. Lach. Noch nieee! Auf der Verpackung des Saatgutes stand in Kreuzform ausstreuen. Mhmmmm. Mach ich. Dann drübertrippeln um die Saat ins Erdreich zu befördern. Auch ok. Aber das giessen im 2stundentakt bei über 30°C ist schon heftig. Und wann geht das Zeug mal auf? Wir werden sehen. Aus dem Vorgarten entnahm ich drei Stauden Chinaschilf und grub diese ein. Und den Hammer brachte natürlich Matthias mit Familie. Ich fragte, woher sie ihre Thujas hatten. Er meinte, das ist ein Lebensbaum, Mann! Mir doch wurscht. Seine Liebste Vroni sagte, ich könne die da vorne am Hauseck gleich mitnehmen. Was? Einfach so? Klar! Wahnsinn! Und schon hatte ich eine Thuj… ääähm einen Lebensbaum zur Sternwarte.

Ohne meine Freund und Nachbarn wäre dies alles nicht möglich gewesen. Alleine Matthias hat wiederholt seine Freizeit geopfert, am Montag sogar einen kompletten Urlaubstag, um mir zu helfen. Lars fuhr extra von Biberach zu mir um zu helfen, ein wahrer Jagdwolf! Hermann half auch jederzeit und gerne, dank des guten Maxlreiner Bieres und mein Zimmerer Thomas, der meine Ideen zu wundervoll in die Praxis umgesetzt hat, sucht auch seinesgleichen. Michael aus Erlangen gab mir auch stets hilfsbereit Tips, und Christian war auch eine wertvolle Informationsquelle!

DANKE EUCH ALLEN AUS TIEFSTEM HERZEN!

Somit steht nun die Sternwarte, die den Namen Paul Stephani Observatorium (nach meinem lieben Großvater, der mir den Einstieg in die Astronomie mit fünf Jahren ermöglichte) trägt.

Hier ist sie in voller Pracht nach 80h Arbeitseinsatz:

7. Tips und Lessons Learned

1. Rechtzeitig anfangen zu planen
2. lesen, fragen, verstehen!
3. Für ausreichenden finanziellen Spielraum sorgen
4. Zeit nehmen und nichts überstürzen
5.  Beim Bauamt fragen ob eine Genehmigung erforderlich ist (bei mir wars nicht so)
6. Säule und Fundament ausreichend dimensionieren
7. Nachbarn informieren was man vorhat. Beruhigt sie ungemein.
8. Säule ausreichend hoch planen.
9. Ausreichend Helferlein organisieren
10. Ausreichend elektrische Reserven lassen (Steckdosen etc.)

und zu guter letzt:

SICH AUF DAS ERGEBNIS FREUEN!