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Sternwarte 2.0 oder: „pack mer’s wieder!“

Sternwarte 2.0 oder: pack mer’s wieder!

Ruhig ist es hier geworden. Seit Jahren offenbar kein Lebenszeichen mehr von mir. Da stellt sich die Frage, ob ich überhaupt noch in der Astronomie tätig bin.

Oh ja, das bin ich. Es haben sich in den letzten Jahren ein paar Veränderungen ergeben. Teils berufliche Herausforderungen, teils auch das Leben selber mit seinem berühmten „Circle of Life“. Dann war da noch ein neues Hobby, der Amateurfunk, welcher mich von 2015 bis 2020 doch sehr fasziniert hat. Über den Amateurfunk habe ich wunderbare Menschen kennengelernt. Unser sehr erfolgreicher Ortsverband C25 Erding hat schon ein paar sehr einzigartige und tolle Gesellen, die teilweise auch astronomisch unterwegs sind. Mit ein paar interessierten haben wir uns häufig über unsere WhatsApp Gruppe ausgetauscht.

Ich habe also in den letzten Jahren eher sporadisch die Sternwarte genutzt. Eher zum Spechteln, also visuellen Beobachtung. Dach auf, Objekte angeschaut, Dach zu. Meist war das eine Sache von 30 Minuten. Doch das sollte sich dramatisch im August letzten Jahres (2022) ändern.

Was war denn da so außergewöhnliches fragt sich der geneigte Leser. Nun, da wurden die ersten Bilder des JWST (oder auch James-Webb-Space-Telescope) veröffentlicht. Wer erinnert sich nicht an diese ersten Bilder? Da klappte einem die Kinnlade runter. Das soll jetzt das Maß aller Dinge sein? Ja Pfiati-God! Aber moment mal. Wenn DAS jetzt die höchste Messlatte ist – wie siehts dann in der Amateur Astronomie Szene aus? 

Ich ging also in die Sternwarte und nahm mir bewusst einige Zeit, um sie auf mich wirken zu lassen. An die wundervollen Momente, die ich hier erlebt hatte. An laue Sommerabende oder eiskalte Januar Nächte, die ich hier verbracht hatte. An den Aufwand bei der Planung und dem Bau der Sternwarte. Ich hatte zwei Möglichkeiten.

Erstens: lass es so, wie es ist. Nimm es her, wann du willst, „verbrauche“ sie einfach ohne weitere Investitionen. 

Zweitens: du hast den unglaublichen Luxus einer Sternwarte Mann! Wie bei allem, was einem lieb und teuer ist, muss man ab und zu mal investieren (sei es Zeit oder/und Geld), um die Liebe wieder neu zu entfachen. Oft lodert das Feuer heisser und heller als zuvor. 

Also entschied ich mich, mit dem JWST Virus infiziert, für Möglichkeit zwei.

Doch was bedeutet dies konkret? Ich stelle alles auf den Prüfstand und hinterfragte jedes Teil, jede Schraube, jeden Prozessschritt und selbst die Machart dieser Homepage. Daraus entstand der folgende Aktionsplan.

Wo muss ich anpacken?

  1. Reduzierung aufs Wesentliche (KISS Prinzip – „Keep it simple and stupid“)
  2. Neue Optiken, Kamera und Zubehör
  3. Neue Holzverkleidung für die Sternwarte
  4. Neue Software und neuer Workflow
  5. Überarbeitung der Homepage.

 

Da hatte ich mir ja einiges vorgenommen. Doch wann wollte ich dieses Projekt Sternwarte 2.0 abgeschlossen haben? Ich habe mir exakt ein Jahr gegeben. Und wirklich auf den letzten Drücker am 31.08.2023, also gestern Abend, wurde ich mit dem 5. Teil fertig. Mission erfolgreich.

Aber was waren denn nun im einzelnen die durchgeführten Schritte bei den fünf Punkten?

Also der Reihe nach.


 
1. Reduzierung aufs Wesentliche

Alles, was überflüssig war, wurde entfernt. Nur selten genutztes Zubehör eingelagert bzw. verkauft. Alle Kabel wurden entfernt, neu aufgebaut, sauber in Gruppen organisiert (Stichwort Kabelmanagement). Ein aktiver USB Hub unter die Montierung installiert, zur schöneren Optik designte meine Tochter eine runde Abdeckung, welche ich per 3D Druck erschuf und installierte. 

2. Neue Optiken, Kamera und Zubehör

Mein lieber Orion ED80 (Dante) erwies mir immer gute Dienste. Ob als Guiding Optik oder als Hauptoptik – auf ihn war verlass. Ich brauchte aber für meine Pläne ein Teleskop mit einer Brennweite von maximal 500mm und einer großen Öffnung, um innerhalb kurzer Belichtungszeit möglichst viele Photonen einzufangen. Es standen dabei diverse Modelle zur Auswahl. Meine geliebten Takahashis, William Optics oder ein neuer chinesischer Hersteller namens Askar. Ich habe so meine Ressentiments was chinesische Produkte betrifft. Als ich vor mehr als 10 Jahren mit der Astronomie anfing, gab es nur einige wenige Hersteller wie Skywatcher, die erschwingliche Produkte anboten. Die Qualität überzeugte dabei selten. Das hat sich aber inzwischen deutlich gebessert. So machte dann der Askar das Rennen, aus unterschiedlichsten Gründen. Da war zum Einen die Spezifikation, also Brennweite und Öffnung, die das Teleskop perfekt erfüllt. Dann braucht es auch keinen Korrektor. Es bildet bis in die Ecken Sterne punktförmig ab. Es hat auch keinen definierten Backfokus, also den Abstand zwischen Kamera und Teleskop. Er kommt immer in den Fokus. Dann der bereits verbaute Rotator, der ein Drehen der Kameraorientierung erlaubt, um das gewünschte Objekt leicht so zu positionieren, wie man es braucht. Eine sehr gute Bearbeitungsqualität und zum Rest passendes äußeres Erscheinungsbild rundeten meine Entscheidung ab. Und von allen verglichenen Teleskopen hatte er auch noch den niedrigsten Preis. Und so fiel meine Wahl als zweite Hauptoptik auf den Askar 500, Spitzname Herschel. Nach zwei Aufnahmen, welche Du unten sehen kannst, fühle ich mich in meiner Wahl bestätigt. Dieser Refraktor tut das was er soll. Und zwar sehr, sehr gut.

Herschel guidet also mit seinen 500mm Brennweite Galileo mit 1.000mm. Aber wie soll Herschel nun nachgeführt werden? Ich entschied mich für William Optics‘ Uniguide 50, welches als Nachführkamera eine ZWO ASI290mini erhielt – eine Traumkombination.

Dann das Thema Kamera. Meine alte ALCCD8L war nach sieben Jahren Betrieb bereits in die Jahre gekommen. Die Auflösung war nicht mehr zeitgemäß. Außerdem hatte sie schon die eine oder andere Marotte, die ich ihr nicht austreiben konnte. Also war es Zeit, sich in das Thema wieder einzuarbeiten. Es hatte sich in den vergangenen Jahren ein Quantensprung in der Kameratechnik vollzogen, der seines gleichen sucht. Man kommt zum derzeitigen Stand eigentlich gar nicht um gekühlte Astrokameras mit Sonys IMX5714 Chip herum. Der besticht durch eine sehr große Auflösung von 6.248 x 4.176 Pixel und einem fast nicht mehr vorhandenem Ausleserauschen. Bleibt nur die Suche nach einer Kamera mit genau diesem Chip. Da gibt es nur zwei Hersteller: ZWO mit seiner ASI2600 Serie und QHY mit den 268er Modellen. Beide natürlich in der Mono- und Farbvariante. Standortbedingt habe ich nur sehr selten lange klare Nächte. Damit meine ich mehr als zwei aufeinanderfolgende Nächte mit freiem Himmel. Und somit musste ich meine örtliche Einschränkung sehr stark berücksichtigen. Für Monokameras braucht man schon konstantere Bedingungen, da man mit verschiedenen Filtern lange belichtet. Und bei Farbkameras hat man in der Regel einen UV/IR Cut Filter für normale Aufnahmen, bzw. einen Dualband FIlter für bestimmte Objekte wie Nebel mit Ha und O3 Anteil. Da die QHY den größeren Bildspeicher gegenüber der ZWO hat, fiel meine Wahl auf die QHY268c, also die Farbvariante. Diese kaufte ich bei Astrolumina. Ich kam an meinem Takahashi nicht in den Fokus, da der Flattener einen Backfokus beim TOA130 von 117,5mm braucht und man diesen zwingend genau herstellen muss. Ich schilderte Astrolumina mein Problem. Der Herr ging nicht auf den von Takahashi aufgezeigten Backfokus ein, obwohl ich ihm sogar ein Datenblatt des Flatteners mailte. Er meinte nur, dass man auf Backfokus von 55mm kommen muss, so sei es ja auch in der Anleitung der QHY beschrieben. Diese Aussage erwies sich als erschreckend falsch. Das Astronomie. de Forum half mir hier bei der Lösung – es müssen eben 117,5mm und nix anderes sein. Danke nochmal ans Forum. 

Einer der wichtigsten Faktoren bei der Astrofotografie ist es, das Teleskop immer exakt fokussiert zu haben. Das bedeutet, nach einer gewissen Zeit oder einer Anzahl von aufgenommenen Bildern die Session zu unterbrechen, zu fokussieren, und weiterzumachen. Das nervte etwas, und so gönnte ich Galileo und Herschel zwei „Auto-Fokussern“, die per Software (sh. Punkt 4) auf den 1/100mm genau und reproduzierbar fokussieren. Meine Wahl fiel hier auf ZWO mit seinen EAF Modellen. Das ist Zubehör, auf das ich auf keinen Fall mehr verzichten möchte. Es hat sich mehrfach bewährt. 

Um den „Image Train“, also den gesamten Komplex von allem, was zwischen Teleskop und Kamera verbaut ist, zu komplettieren, fehlten noch ein Bildfeldrotator und eine Filterschublade. Der Bildfeldrotator dreht die Kamera automatisch auf die in der Software (sh. Punkt 4) definierte Position. Genauer, als man das selber erledigen könnte. Und so fand der PegasusAstro Falcon Rotator zu mir. 

Um Filter flexibel tauschen zu können, verbaute ich meine vorhandene (ja, da musste ich mal kein Geld ausgeben) Filterschublade. Je nach Objekt, welches ich fotografieren möchte, kann ich nun schnell zischen einem IR/UV Cut Filter sowie dem berühmten Antlia ALP-T Filter (Antlias Golden) wechseln. Bei den Bildern auf der linken Seite verwendete ich diese beiden Filter.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass die neue Hardware absolut aufeinander abgestimmt ist und (bisher) perfekt harmoniert und funktioniert. Das war wirklich ein Riesensprung in der Entwicklung. Man kann heutzutage das ca 5-fache aus der gleichen Zeit an Bildinformation und -qualität herausholen, im Vergleich zu dem, was ich noch 2012 hatte. 

3. Neue Holzverkleidung für die Sternwarte

Seit 2012 wurde das Holz der der Außenverkleidung massiv dem Wetter ausgesetzt, wurde diverse male geschliffen und neu gestrichen. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann ich es ersetzen musste. Das war jetzt der Fall. An der einen oder anderen Stelle war es doch schon sehr angegriffen. Da nisteten Ameisenkolonien darunter und eingedrungenes Wasser begann, das Holz zu zersetzen. 

Also musste Ersatz her. Doch welcher? Kunststoff kam für mich nicht in Frage. Und Fichtenholz auch nicht, das war mir nicht langlebig genug. So entschied ich mich für Lärchenholz, denn dieser Aufwand sollte sich so schnell nicht wiederholen. Ich wahnsinniger. Ich benötigte 12,5m in der Breite und 2m in der Höhe. IM JAHR 2023! Ich wollte nicht sämtliche Sägewerke dieses Planeten finanzieren, ich wollte nur „a bisserl Holz“. Mhmm. Das Ganze kostete mich über 1.000 Euro. Wurscht, hast dann Deine Ruh. Also machte ich mich daran, die alten Bretter zu entfernen. welche 15cm breit waren. Jedes Brett war mit sechs Schrauben befestigt, über die zwei mal Farbe gestrichen wurde. Versuch mal, so eine Schraube rauszubekommen! Es dauerte insgesamt einen Monat in glühender Hitze, bis ich mit dem Teilprojekt fertig war, aber fix und fertig. Ich musste 800 Schrauben entfernen und durch neue ersetzen, jedes einzelne Brett anpassen, zuschneiden etc. pp.. Oben in diesem Beitrag siehst Du, wie das Ganze knapp zwei Monate nach Fertigstellung aussieht. Wie neu. Ich werde es aber nicht ölen sondern vergrauen lassen. Das ist das natürliche Eigenschutz von Lärchenholz und verleiht dem ganzen bestimmt einen gewissen Charme. So die Vorstellung…

4. Neue Software und neuer Workflow

Nirgendwo hat sich so viel Neues getan wie bei der Bildaufnahme und -bearbeitung von Astrofotos. Das, was man konnte, war veraltet. Das, was man jetzt nutzen konnte, totales Neuland. Über die kostenlose Software N.I.N.A. kann man die ganze Hardware zu einem großen Ganzen verbinden. Also das Teleskop, die Kamera, die Montierung, den Rotator, Autofokus, Guiding Kamera, Guiding Software etc. werden in NINA verbunden. Dann sucht man sich sein Zielobjekt aus, richtet das Objekt optimal aus, wählt die Belichtungsanzahl und -länge, wie oft fokussiert werden soll, wohin die aufgenommenen Bilder abgespeichert werden, und was nach Aufnahmeende mit dem System, also der angeschlossenen Geräte geschehen soll. Dann startet man mit einer Schaltfläche – und das wars. Sensationell. Aber es kann natürlich immer noch einiges schief gehen. Irgendwas ist ja immer. Aber im großen und ganzen ist das schon beeindruckend, wenn man am Morgen sieht, dass das Teleskop geparkt ist, die Kamera wieder erwärmt ist, der Aufnahme PC aus ist und auf dem Netzwerkspeicher jede Menge neue Bilder auf die Bearbeitung warten.

Und dann gehts mit eben diesen Aufnahmen weiter. Wo ich früher zig verschiedenster Programme verwendetet hatte, bleiben heute eigentlich nur noch zwei. PixInsight und Photoshop. Wobei ich bei den beiden hier verlinkten Aufnahmen nicht mal Photoshop verwenden musste. Das war alles in PixInsight. Vor ein paar Jahren noch war das Programm ein Exot. Zu verwirrend, zu technisch, nicht selbsterklärend. Doch es hat sich hier einiges getan, die Community hat hier sagenhafte Erweiterungen gebastelt (Stichwort BlurXterminator, NoiseXterminator und StarXterminator), auf Youtube gibt es viele passende und gut gemachte Erklärvideos – wenngleich auch zumeist in englisch. Bei AstrophotoCologne von Frank, DEM deutschsprachigen Astronomiekanal, bekommt man stets aktuelle Infos und Frank hat auch einige sehr gute Erklärvideos – auch zu PixInsight.

Unterm Strich musste ich hier also fast von neu anfangen und mir viel neues Wissen aneignen. Aber das hält die grauen Zellen fit.

5. Überarbeitung der Homepage

Zu guter Letzt war natürlich auch diese Website dran. Die alte Präsenz was doch schon sehr aus der Zeit gefallen und erfüllte meine Ansprüche nicht mehr. Die neue sollte moderner und frischer daherkommen. Ohne alten Ballast, mit neuem Inhalt, neuer Navigation, neuem Fokus. Und um Gottes Willen ohne Social Media Kram. Außerdem datenschutzrechtlich unbedenklich und benutzerfreundlich.

Da hat sich natürlich auch einiges getan. Ich musste mich auch hier wieder reinfuchsen, um den Überblick über derzeit übliches Webdesign, Tools und dergleichen zu erlernen und einsetzen zu können. Aber natürlich ohne die eigenen Ansprüche an Farben, Design und vor allem Dingen Inhalten außen vor zu lassen. Das hier ist das Ergebnis. Ich hoffe, es gefällt Dir einigermaßen. Also ich bin zufrieden.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass es ein Jahr, etliche Euros und hunderte Stunden Arbeit gekostet hat, um im eigenen größten Hobby nach langer Abwesenheit wieder Fuß zu fassen. Aber ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und freue mich auf viele neue aufregende Bilder, die ich mit Dir teilen möchte. Viele neue Begebenheiten, die auf mich warten. Und viele neue Geschichten, die es zu erleben und erzählen geben wird.
Im Paul Stephani Observatorium und hier, auf sternenalbum.de.
 
 
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Mondfinsternis am 27.07.2018

Die Mondfinsternis am 27.07.2018

 Inhalt

    1. Mondfinsternis vom 15.06.2011
    2. Wie entsteht eine Mondfinsternis
    3. Was ist ein Blutmond?
    4. Mythos MoFi
    5. MoFi Juli 2018
      Wo kann man sie sehen?

      Wo geht der Mond auf?

      Wann geht der Mond auf?

    6. Ablauf MoFi
    7. Wettervorhersage für Freitag
    8. Wie beobachtet man eine MoFi
    9. Tips zur Beobachtung (wichtig!)
    10. Alles an einem Abend: MoFi, Mars, Jupiter, Saturn, Venus und ISS!

1. Die Mondfinsternis vom 15.06.2011
Zu Beginn meines Hobbys „Astronomie“ stand als erstes „Großereignis“ eine totale Mondfinsternis im Juni 2011 an. Ich richtete mein Teleskop auf den zu erwartenden Aufgangsort des Mondes aus. Natürlich mitten in Wolken. Die Decke ging für 15 Sekunden auf, und der rote Mond zeigte sich. Dabei kam das Bild heraus, welches Du im Album sehen kannst. Schon damals hat mich dieses Ereignis in den Bann gezogen. Die nächste MoFi sollte erst im Juli 2018 zu sehen sein. Mein Gott, erst in 7 Jahren? Das dauert ja ewig. Tja, so schnell vergehen 7 Jahre. Und nun ist es wieder soweit!

2. Wie entsteht eine Mondfinsternis?
Eine Sonnenfinsternis kennt man ja. Der Mond schiebt sich zwischen Sonne und Erde. Dort, wo der Mond exakt zwischen Erde und Sonne ist, fällt kein Sonnenlicht mehr hin. Bei einer Mondfinsternis ist es genau anders rum. Die Erde schiebt sich zwischen Sonne und Mond, der Mond fällt also in den Schatten der Erde. Dieses Phänomen tritt nur bei Vollmond auf.

3. Was ist ein Blutmond?
Das nun durch eine Mondfinsternis eh nur noch spärlich vorhandene Reflexionslicht des Mondes muss einen langen Weg durch die Erdatmosphäre nehmen. Dabei werden mehr Blau- als Rotanteile des Lichtes herausgefiltert – der Mond erscheint zuerst bräunlich, dann orange und schließlich rot.

4. Mythos Blutmond
Seit Menschengedenken ist mit dem Blutmond allerlei aufregendes verbunden. Er beflügelte immer schon die Ängste und Fantasien der Menschen. Die alten Kulturen aus China, Skandinavien, den Indianern, Griechenland oder Ägypten verwendeten den Blutmond für diverse Göttermythen und Hexenverfolgungen. Dieses Thema darf natürlich auch in Hollywood nicht fehlen. So zuletzt in dem 2014 erschienen Werk „Seventh Son“.

5. Die Mondfinsternis am 27.07.2018
Am Abend des 27.07. findet eine besondere Mondfinsternis/Blutmond statt. Über 107 Minuten wird die „totale Phase“ (Erklärung weiter unten) dauern, und ist somit für die nächsten 105 Jahre die längste Mondfinsternis dieses Jahrhunderts. Die nächste MoFi gibt es am 31.12.2028 (Wink ans Töchterchen).
5.1 Wo kann man sie sehen?
Glücklicherweise ist dieses Ereignis im Süden und Osten Deutschlands sehr gut zu beobachten. Wenn der Blutmond einsetzt, wird er sich schon etwas über dem Horizont befinden. Ein möglichst freier Blick nach Süd-Ost mit wenig störendem Umgebungslicht (Laternen etc.) reicht aus, um dem Spektakel beizuwohnen.
5.2 Wo geht der Mond auf?
Grob gesagt Süd-Ost.
5.3 Wann geht er auf?
Je östlicher desto früher. Der obere Rand des Mondes wird z.B. in Erding ab etwa 20:47 Uhr sichtbar. Bis er ganz sichtbar sein wird, wird es etwa eine halbe Stunde dauern.

6. Der Ablauf

1 Eintritt Halbschatten Mondfinsternis beginnt 19:14 Uhr
2 Eintritt Kernschatten Mond färbt sich braun, dann orange 20:24 Uhr
3 Mondaufgang Erding/München 20:47 Uhr
4 Mond im Kernschatten, Beginn Totalität Mond färbt sich rot 21:30 Uhr
5 Austritt Kernschatten Mond färbt sich orange, dann braun 23:13 Uhr
6 Austritt Halbschatten Mond wieder mit „normaler“ Färbung 00:19 Uhr
7 Mond hat Erdschatten verlassen Mondfinsternis endet 01:28 Uhr

7. Wie wird das Wetter?
Die Prognosen sind Stand Mittwoch nicht schlecht. Link zum Astrowetter hier. Es können abends Gewitter auftreten.

8. Wie beobachtet man eine Mondfinsternis?
1. Glücklicherweise ist der Mond ein großes Objekt – von daher grundsätzlich mit den Augen
2. Ein Fernglas gleich welchen Typs zeigt mehr Details und sollte – falls vorhanden – genutzt werden

9. Tips zur Beobachtung
1. Möglichst rechtzeitig (ca eine Stunde vorher) am Beobachtungsplatz der Wahl einfinden. Rechne mit einem regen Andrang. Je besser die Lokation, desto mehr „Mitspechtler“.
2. Einen möglichst dunklen und freien Standort finden
3. Eine Decke oder Jacke nicht vergessen. Decke macht’s gemütlich, Jacke hilft gegen Mücken und Kälte
4. Getränke nicht vergessen

10. Alles an einem Abend: MoFi, Mars, Jupiter, Saturn, Venus und ISS! 
1. Der Mars befindet sich gut sichtbar etwa fünf Monddurchmesser unterhalb des Mondes. Dieses Jahr ist der Abstand von Erde und Mars besonders niedrig, ein Blick darauf lohnt sich!
2. Der etwas weiter westlich gelegene Punkt ist Saturn
3. Der helle Punkt noch weiter westlich ist übrigens Jupiter
4. Ganz im Westen, schon sehr tief stehend befindet sich die untergehende Venus. Man sieht also gleich vier Planeten nebenbei zu dieser Mondfinsternis.
5. Als besonderes Highlight für den Erdinger/Münchner Raum wird dieser geniale Abend durch zwei Überflüge der ISS untermalt. Mit unserem „AstroAlex“ Alexander Gerst ist ja ein deutscher Astronaut an Bord, der im Oktober das Kommando der Raumstation übernimmt. Die Überflüge sind um 20:57 Uhr (relativ zentral in Zenitnähe) und um 22:35 Uhr im Norden auf etwa 45° Höhe.

So, genug der Theorie. Genieße dieses einmalige Ereignis und lass es auf Dich wirken. Ich wünsche Dir viel Spaß dabei und vor allem den wichtigsten Gruß unter Astronomen – nicht nur für Freitag:

Clear skies!

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Barnard 33 Pferdekopfnebel

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Zum Objekt: Das klassische Wintersternbild ist der Orion, der im Süden seine Bahn über das Firmament zieht. In der Mitte befinden sich die drei Gürtelsterne. Der linke davon ist Alnitak, welcher auf dem Bild links strahlend hell zu sehen ist. Alnitak hat den 20fachen Sonnendurchmesser und seine Leuchtkraft ist ca. 10.000 mal höher als die unserer Sonne. Seine Entfernung zu uns beträgt 800 Lichtjahre.

Unterhalb von Alnitak befindet sich der wunderschöne Flammennebel NGC2024, welcher sich doppelt so weit „hinter“ Alnitak befindet – ca. 1.600 Lichtjahre. Als das Licht sich dort auf dem Weg zu uns für dieses Bild machte, fiel gerade Rom. Im Flammennebel entstehen gerade hunderte neue Sterne. Die ältesten sind weniger als 1 Million Jahre alt und somit noch „Babys“. NGC2024 wird von Alnitak durch seinen andauernden Beschuss von UV-Licht und der dabei entstehenden Reaktion mit den Elektronen und dem ionisierten Wasserstoff zum Leuchten gebracht.

NGC2023 ist der hellblaue Fleck in der Mitte. Es handelt sich hierbei um einen 1.500 Lichtjahre entfernten Nebel, der durch den zentralen Stern HD37903 erleuchtet wird. Dieser Nebel erstreckt sich weit bis zum darüber gelegenen Pferdekopfnebel.

Eines der bekanntesten und am häufigsten publizierten Objekte des Nachthimmels ist zweifelsfrei der Pferdekopfnebel Barnard 33. Seine Entfernung zu uns beträgt ebenfalls ca. 1.500 Lichtjahre. In seiner Form erinnert der Pferdekopfnebel an eine Kuh den Kopf eines Pferdes. Seine Ausdehnung beträgt erstaunliche zwei Lichtjahre. Die Größe am Nachthimmel entspricht etwa einem viertel des Vollmondes. Wir verdanken die Sichtbarkeit dieser dunklen Staubwolke mit einem Gewicht von etwa 27 Sonnenmassen dem dahinter liegenden und rot leuchtenden Emissionsnebel IC434. Die Staub- und Gasmassen des Pferdekopfnebels sind in Bewegung. Er wird also langfristig seine Form verändern. Wer weiss, vielleicht wirds doch irgendwann ne Kuh.

Photo Details

teleskop Teleskop: Takahashi TOA 130, 1.000mm, f/7,5
montierung Montierung: Skywatcher EQ8 auf Betonsäule
kamera Kamera: ALCCD8L,
11 * 600s, ges. 1h 50m
guiding Guiding: ASI120MC auf Orion ED80
zeit Datum: 2016-12-30
info weitere Infos: Endlich wieder draussen!

Ein herrliches Gefühl, nach vier Monaten endlich wieder in der Sternwarte zu sein. Das Wetter und der Urlaub spielten mit – und so kam ich endlich wieder zu einer Nacht draussen. Erstmal mussten natürlich einige Updates gemacht werden, hier und da etwas neu justiert, doch dann ging es auch los. Ich hätte gerne noch mehr Aufnahmen gemacht, jedoch zog Nebel auf und somit gebe ich mich auch mit diesem Ergebnis zufrieden.

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Sonnenfinsternis in der Sternwarte miterleben!

Hallo zusammen,

am Freitag biete ich für interessierte einen direkten Blick auf die Sonnenfinsternis durch das Teleskop.

Die Wetterprognose sieht hervorragend aus. Die Sonne wird im Maximum der Finsternis am Standort Erding zu ca. 68% durch den vorbeiziehenden Mond bedeckt. Wir werden also von 9:30 Uhr bis 11:50 Uhr dieses Naturspektakel durch extra dafür vorgesehene und sichere Folien vor dem Teleskop beobachten können.

Gerne beantworte ich auch aufkommende Fragen und gebe Infos.

Vorabinfos gerne unter 0175 / 3662237.

 

 

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